„Was geht uns das an?“ – Jugendliche entdecken die Bedeutung der NS-Geschichte für die Gegenwart
Erfolgreiches Kooperationsprojekt von Historischem Museum Aurich, Europahaus Aurich und KZ-Gedenkstätte Engerhafe mit der BBS 2 Aurich
Im September 2026 haben sich Schülerinnen und Schüler aus vier Berufseinstiegsklassen der BBS 2 Aurich intensiv mit dem Nationalsozialismus in Ostfriesland und seiner Bedeutung für Demokratie und Freiheit heute beschäftigt. Beim gemeinsamen Projekt „Was geht uns das an? Ostfriesland im Nationalsozialismus und die Bedeutung für Demokratie und Freiheit heute“ lernten die Jugendlichen an historischen Orten, dem Historischen Museum, der KZ-Gedenkstätte Engerhafe und in einem Workshop im Europahaus Aurich.
Den Auftakt bildete eine historische Stadtführung durch Aurich mit den Kulturgesichtern des Historischen Museums, Katja Druivenga und Reenste Cornelis. Sie zeigten den Jugendlichen Spuren des Nationalsozialismus in Aurich und thematisierten die Schicksale jüdischer Kinder und Jugendlicher in Aurich zur Zeit des NS. Anschließend besuchten die Klassen das Historische Museum Aurich und setzten sich dort mit der regionalen Geschichte und der Arbeit eines Museums auseinander.
Bei einem Besuch der KZ-Gedenkstätte Engerhafe erhielten die Jugendlichen Einblicke in die Geschichte des ehemaligen KZ-Außenlagers und die nationalsozialistische Verfolgung in Ostfriesland.
Im abschließenden Workshop im Europahaus Aurich ging es um die Frage: Was hat diese Geschichte mit uns heute zu tun? In einem interaktiven Planspiel schlüpften die Jugendlichen in die Rollen fiktiver Personen und erlebten mehrere Stationen, in denen sich eine zunächst demokratische Gesellschaft Schritt für Schritt in eine Diktatur veränderte. Dabei war jede Figur auf unterschiedliche Weise von den gesellschaftlichen Veränderungen betroffen – etwa als eingewanderte Schülerin, älterer Mensch oder Schwarzer Mann. Aus der Perspektive ihrer jeweiligen Figur verfassten die Jugendlichen kurze Instagram-Posts über die Veränderungen in ihrem Leben und konnten so erfahren, was Ausgrenzung, Rassismus und der Abbau demokratischer Rechte für unterschiedliche Menschen bedeuten können.
In einer abschließenden Reflexion stellten sie Bezüge zu heutigen Entwicklungen, Social Media und der Bedeutung von Propaganda her. „Die NSDAP hat Propaganda genutzt. Auch heute ist Propaganda ein beliebtes Mittel, aber durch Social Media und die Digitalisierung anders“, sagte eine Schülerin. Ein anderer zentraler Gedanke aus der Gruppe lautete: „Wir müssen von Anfang an etwas dagegen tun, damit so etwas nicht nochmal passiert.“
Die Rückmeldungen zum Projekt waren durchweg positiv. Die Schüler*innen beteiligten sich engagiert und brachten eigene Gedanken und Erfahrungen ein. Auch die beteiligten Lehrkräfte und Kooperationspartner zeigten sich begeistert von der Offenheit und Motivation der Jugendlichen.
Für die Projektpartner ist die positive Resonanz eine wichtige Bestätigung: Historisch-politische Bildung kann besonders dann wirken, wenn Geschichte nicht abstrakt vermittelt wird, sondern vor der eigenen Haustür beginnt und mit Fragen der Gegenwart verbunden wird. Gefördert wurde das dreiteilige Projekt vom Lions-Club.

